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Wie die Freie Universität Berliner Wohnungen an internationale Gäste vermittelt

Als Gastwissenschaftlerin oder -wissenschaftler eine Wohnung in Berlin finden? Womöglich aus dem Ausland, ohne vor Ort zu Besichtigungen gehen zu können? Eine Herkulesaufgabe. Deshalb bietet die Freie Universität in Kooperation mit der ERG Universitätsservice GmbH den Unterbringungsservice (Accommodation Service) an. Hier werden Interessierte mit Vermietenden in Kontakt gebracht.

https://www.fu-berlin.de/campusleben/campus/2023/230423-unterbringungsservice/index.html

News vom 25.04.2023

Auch der gebürtige Spanier Carlos Bravo-Prieto war im Frühjahr 2022 auf der Suche nach einer Unterkunft für seine Ehefrau und sich. Nach Stationen in Barcelona und Abu Dhabi trat er eine Stelle als Postdoktorand am Institut für Theoretische Physik der Freien Universität Berlin an. „Wir waren negativ überrascht, wie überlastet der lokale Mietmarkt ist“, sagt der Quantenphysiker. Ein Kollege gab ihm den Tipp, den Unterbringungsservice zu kontaktieren. Internationale promovierte Gäste, die von der Freien Universität eingeladen wurden, können sich dort registrieren, falls sie noch nicht in einer anderen Wohnung in Berlin gemeldet sind. Er habe eine E-Mail geschrieben und einen kurzen digitalen Fragebogen ausgefüllt mit Budgetangabe, gewünschter Zimmeranzahl und seinen Kontaktdaten. Nach zwei Wochen habe er tatsächlich mehrere Vorschläge erhalten, erinnert sich Carlos Bravo-Prieto.

Entschieden hat er sich für ein Objekt in Fußnähe der Universität: „Ich fand es schön, einen Ansprechpartner zu haben für Fragen rund um die Wohnungssuche in Berlin. Und dass man mir direkt eine Wohnung vermitteln konnte, ist natürlich am schönsten.“

Für Vermieterin M. C. ist Bravo-Prieto nicht der erste Mieter aus dem Ausland. Gemeinsam mit ihrem Bruder besitzt sie eine Eigentumswohnung in Dahlem und wohnt selbst in der Nähe. Die Wohnung an Personen zu vermieten, die an der Freien Universität beschäftigt sind, erscheint ihr sinnvoll. Sie interessiert sich für Fremdsprachen, reist beruflich und privat viel. Ihr Ehemann ist Italiener, die Kinder wachsen zweisprachig auf. „Ich selbst habe im Ausland viele positive Erfahrungen mit weltoffenen Menschen machen dürfen und möchte dieses Geschenk nun weitergeben“, so M. C. Dabei sehe sie sich nicht nur als Vermieterin, sondern auch als erstmögliche Kontaktperson für die Neuankömmlinge. Wie man sich in Deutschland anmeldet, welches das beste ÖPNV-Monatsticket ist oder wo der beste Bäcker im Viertel zu finden ist – die Vermieterin hilft gerne weiter.

Über diese Hilfestellung hinaus sei es zu interessanten interkulturellen Begegnungen gekommen: „Wir laden die Mieterinnen und Mieter gerne zum Essen zu uns ein oder organisieren Ausflüge. Jetzt zu Ostern verstecken wir immer Eier in unserem Garten, und mit Carlos und seiner Frau haben wir vor, Kajak fahren zu gehen.“ Das alles sei natürlich ein Angebot, und falls jemand das nicht möchte, sei es für sie auch in Ordnung. Viele seien aber offen für neue Bekanntschaften in Berlin, und mitunter seien Freundschaften entstanden, erzählt M. C. Ein amerikanisch-indisches Mieterpaar habe sie und ihren Mann gerade an ihren neuen Wohnort in der Schweiz eingeladen. „Gute Gespräche sind auch garantiert, denn die akademischen Hintergründe sind so vielfältig. Bei vier Mietpaaren waren bereits die Fächer Biologie, Medizin, Zoologie und Sinologie vertreten – und nun Physik.“

„Der Vermittlungsservice ist für Vermietende und Mietende völlig kostenfrei“, betont Anika Bernard vom Unterbringungsservice der Freien Universität. Sie freue sich deshalb auf weitere Anmeldungen von Vermieterinnen und Vermietern von möblierten Zimmern, Wohnungen oder Häusern, gerne in Universitätsnähe. „Wir wollen nicht nur einen spannenden Einblick in den akademischen Bereich und internationalen Austausch ermöglichen, sondern auch logistisch die Unterkunftssuche so einfach wie möglich machen.“ Auf der Webseite finden Interessierte Exposé-Vorlagen zum Herunterladen, die sie dann mit Fotos des Mietobjekts per E-Mail an den Unterbringungsservice senden können.

Für Carlos Bravo-Prieto ist es der erste Aufenthalt in Deutschland. Die Tipps einer Einheimischen während der ersten Monate seien für ihn „unbezahlbar“ – die Wohnung dagegen durchaus.


Unterbringungsservice

Auf der Webseite des Unterbringungsservice können sich nicht nur Suchende anmelden, sondern auch Anbieterinnen und Anbieter von Wohnraum.
Webseite
E-Mail: accommodation-service@fu-berlin.de

Dieser Artikel ist am 23.04.2023 in der Tagesspiegel-Beilage der Freien Universität Berlin erschienen.

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